Auf dem Franziskusweg von Florenz nach Assisi – eine Pilgerreise in Momenten

Der Franziskusweg führt durch die grünen Hügel der Toskana und die wildromantische Natur Umbriens. 250 Kilometer und mehrere tausend Höhenmeter sind es von Florenz bis nach Assisi. Das eigentliche Ziel: Ankommen bei sich selbst. Der Weg verändert dich dabei. Nicht von heute auf morgen. Nicht radikal. Vielmehr sind es kleine Momente auf dem Weg, die Dinge in Bewegung bringen, aus denen sich Wendepunkte und neue Lebensabschnitte formen. Eine Pilgerreise in Momenten.

Franziskusweg, Blick auf Assisi

Es ist der Moment ... wenn am Morgen die Luft noch frisch und klar ist. Die Berge des Apennins leuchten magisch blau am Horizont. Feiner Nebeldunst bedeckt die Täler. Du steigst langsam vom Dorf, in dem du übernachtet hast, auf. Schnell gewinnst du an Höhe. Du bist ganz alleine auf dem schmalen Trampelpfad.

 

Um Dich herum hörst du das Zwitschern von Vögeln. Vom Dorf tönt weit entfernt das Bellen eines Hundes herauf. Kirchenglocken. Irgendwo schnauft ein Lastwagen eine enge Bergstraße hinauf. Du steigst weiter den einsamen Bergpfad hinauf. Mit jedem Schritt wird das sonore Rauschen der Welt leiser und leiser. Du bleibst stehen, schließt die Augen. Und plötzlich: Stille.

Franziskusweg, Hügel von Gubbio am Morgen

Es gibt den Moment ... in der Klosterkirche von La Verna. Das Felsenkloster steht imposant auf einer Klippe am Abhang des Monte Penna. Die Abendsonne taucht die Hügel der Toskana in ein goldenes Licht. Dunkle Wolken kündigen das aufziehende Gewitter an.

 

In der Basilika haben sich die Franziskanermönche mit ihren schwarzen Kutten in den vorderen Bänken zur Abendvesper versammelt. Dahinter sitzen Klostergäste und Pilger dicht beieinander. Kerzenschein hüllt den Raum in dämmriges, sanftes Licht. Meditative Stille.

 

Dann beginnen die Brüder zu singen. Erst ganz leise, dann stimmt die ganze Gemeinde in den Hymnus mit ein. Ein Hymnus, der von Mitgefühl und Hoffnung erzählt. So viel melancholischer und gefühlvoller als das deutsche Gotteslob. Von draußen dringt Donnergrollen herein. Hagel und Platzregen prasseln gegen die schwere Holztür. Über den Kirchenvorplatz pfeift der Gewittersturm. Drinnen: Ein Gefühl von Geborgenheit und Gottvertrauen.

Franziskusweg, Sonnenuntergang in La Verna, Toskana

Es gibt den Moment ... in dem du seit Stunden alleine durch die dichten Wälder des Apennins wanderst. Im Kopf fängst Du an, zu zählen, wie viele Tage und Kilometer noch vor dir liegen. Und du fragst dich, warum du das eigentlich machst. Langsam steigt Angst in dir hoch. Erst langsam kriechend, plötzlich mächtig. Angst wovor? Allein zu sein, sich zu verlaufen, zu verletzen?

 

Aber Du gehst weiter. Schritt für Schritt. Du bist auf dem Weg. Du gehst in der Natur auf. Du bist im Vertrauen, denkst an deine Frau, deine Familie, deinen Hund zu Hause. Öffnest Dein Herz. Und plötzlich begreifst Du ein Stück vom Göttlichen: Dass du nie alleine bist. Dass du geleitet wirst. Und dass die Liebe überall ist. Wenn du nur mit Licht und Liebe im Herzen gehst. Und das ist der Moment, wo alles abfällt und du frei bist.

Herbstblätter im Sonnenlicht, Goldene Stunde

Es sind vor allem die einsamen, ursprünglichen Landschaften Mittelitaliens. Und die kleinen, oft unscheinbaren Dinge am Wegesrand, die den Weg prägen. Häufig sind sie es, die einen zu sich selbst bringen. Meine Pilgerreise in Bildern findest du hier.

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